Somatic Script

Für Somatic Script hat Georg Blaschke fünf markante in Wien lebende Performer-Persönlichkeiten in der Altersspanne zwischen 25 und 57 Jahren gewinnen können. Deren eigene körperliche Erinnerungen an Stadien der Bewegungsentwicklung werden in Einzelprozessen rekonstruiert und klar in den Raum gesetzt. Begegnungen und Interventionen definieren in der Folge einen choreografischen Kontext, der auf essenziellen im Körper verankerten Impulsen basiert und dem Grundbedürfnis nach gegenseitiger Unterstützung folgt. Diese Parameter begründen ein Skript dramatischer und komischer Konstellationen zwischen den PerformerInnen, das von einfachen Grundsituationen ausgeht, jedoch komplexe non-verbale Projektionsflächen aufbaut.

Your Dancer

Georg Blaschke hat dieses Solo 2010 für Liz King, damals 62-jährige Pionierin der österreichischen Tanzszene, kreiert. Zahlreiche Gespräche, Interviews und ein Sammeln von dokumentarischen Materialien ermöglichen eine biografische Positionierung einer Persönlichkeit, die die gesamte Bandbreite öffentlicher Exponiertheit als weibliche Künstlerin erfahren hat. Das Solo thematisiert den Körper als Erinnerungsdepot tänzerischer Technik, gelebter Mutterschaft und somatischer Transformationsprozesse.
Der veröffentlichten Liz King steht ein intimer und sensibler Privatraum gegenüber.
In der Gestaltung einer choreografischen Verortung bleibt der Choreograf in Folge so dicht wie möglich am Körper der Tänzerin, deutet Artikulationen und räumliche Tendenzen neu, positioniert ihn als aktuelles und essenzielles Geschehen.
Die choreografische Struktur folgt einem sinnlichen Nachspüren von Bewegungsqualitäten, deren Differenzierung und Umplatzierung im Raum.

„Accomplishment: to make works in the face of the void to gain form, identity.“
Jim Morrison

In case of loss

In dieser Trio-Performance wird eine Szenerie körperlicher Interaktionen aufgebaut, die sich im Zwischenbereich von Tanz und Installation ansiedelt. Präzis artikulierte Körperformationen positionieren sich, lösen sich in den Raum auf, verlieren den Halt. Verfremdung und Verformung im Körperbild werden durch Körperkontakt und Berührung intensiviert. Die Einschränkung von Beweglichkeit durch die räumlichen Begrenzungen und durch die dichte Verwicklung der Körper der Performer ineinander führt zu teils strukturierten, teils unvorhersehbaren Umordnungen im choreografischen Raum.
Begegnungen, Improvisation und choreografische Strukturen beruhen auf der Recherche eines somatischen Zugangs zu Artikulation und Repräsentation von Körpern in einem gegebenen Raum. Narration und übergeordnete Themenbildung bleiben dabei bewusst ausgespart. Dadurch bieten sich dem Zuschauer stets neue Deutungsmöglichkeiten eines mobilen Gemäldes.
In case of loss wurde in Form einer längeren Version und eines Konzentrats präsentiert.

Jetzt bist Du dran.

Basierend auf der Choreografie Mensch im Wahn (UA 1929) von Andrei Jerschik (1902–1997) beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Akt der Weitergabe und Rekonstruktion von Choreografie. Im Jahr 1995 hatte Andrei Jerschik noch im Alter von 94 Jahren seine Choreografie Mensch im Wahn an Harmen Tromp direkt übertragen. Die Erinnerungen von Tromp an diesen Prozess und die erhaltenen gleichzeitig berührenden wie energischen Notizen Jerschiks dazu bilden den Kern dieser Auseinandersetzung mit Weitergabe und Rekonstruktion als künstlerischem Akt.
Die Performance folgt einer klaren dreiteiligen Struktur:
Original – Rekonstruktion – Filmische Reflexion über die Weitergabe der Choreografie

mein körper bis jetzt

mein körper bis jetzt – ein Territorium eingeschriebener Muster persönlicher Bewegungsentwicklung und ein Territorium einzuschreibender tänzerischer Fertigkeiten. Die Choreografie ist das Resultat eines mehrteiligen Prozesses, in welchem aufbauend auf der Feldenkrais Methode die Studierenden sensibel und selbstverantwortlich auf Entdeckungsreise mit ihrem Körper gegangen sind und somatische Prinzipien der Partnerarbeit in ihr aktuelles tänzerisches Können integriert haben.

Georg und Robert

Zwischen 2007 und 2011 haben die beiden Freunde Robert Steijn (holländischer Dramaturg und Performer) und Georg Blaschke drei Projekte gemeinsam verwirklicht:
Können Männer tanzen? – Gezeigt im Rahmen von im_flieger invites im WUK Wien.
Dancelab Den Haag – 
Improvisation und offene Recherche in Holland.
Ensemble in Gefahr! – Präsentiert im Rahmen von Performance and CinemaSessions im WUK Projektraum Wien.
In einer manchmal offenen, dann wieder mehr strukturierten Form eines Dialogs nähern sich die beiden Performer männlichen Themen wie Weiblichkeit, körperliches Ritual, Angst und Stille. Sie huldigen einer Zeremonie des Tanzes im Moment und der Poesie der Befreiung durch das Wort in meist intimer Nähe zum Publikum.

An Austrian Dance Evening

Dieser dreiteilige Abend wurde 2011 im Tmuna Theatre in Tel Aviv präsentiert.
Fragen nach Verlust und Erbe choreografischen Denkens vernetzen den kulturellen Kontext der Tanzschaffenden mit deren persönlichen biografischen Geschichten. Die Anerkennung dieses Erbes ermöglicht die Bewunderung und ein Verstehen heutigen choreografischen Arbeitens.

Programm:

1. Vortrag: Austria’s Contemporary Dance von Dr. Andrea Amort
Ein Hauptaspekt dieses Vortrags behandelt die Frage wie zeitgenössische österreichische Künstlerinnen und Künstler mit der Geschichte jener künstlerischen Vorfahren umgehen, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus verbannt oder vernichtet wurden.

2. Performance: Your Dancer
Ein somatisches Portrait von Liz King.

3. Performance: Jetzt bist Du dran.
Ein choreografisches Rekonstruktionsprojekt, basierend auf der Choreografie Mensch im Wahn (UA 1929) von Andrei Jerschik (1902–1997). 

Performance and CinemaSessions

Vier Abende mit Performances, Stummfilm und Live Sound zum Thema Männlichkeit im WUK Projektraum.

Programm:

1. ensemble in gefahr! – ein performatives Männerritual von und mit Georg Blaschke und Robert Steijn.
Soundtrack und Live-Dub: Ulrich Troyer
Feldenkrais Training: Sascha Krausneker
Dauer: ca. 60 Minuten
In dieser Performance treffen zwei befreundete und gleichzeitig unterschiedliche männliche Performer-Persönlichkeiten aufeinander. In mehreren Etappen wurde gemeinsam mit dem Musiker Ulrich Troyer ein performatives Ritual „unter Männern“ entwickelt, das Körper, Text und Sound gleichermaßen Raum für Impulse gibt, aber auch einer klaren Struktur folgt.

2. Beim Johannesfall in den Radstätter Tauern im Winter (A, 1917) – Stummfilm
Live Sound: Florian Kmet
Dauer: 10 Minuten
Der österreichische Kurzfilm aus dem Jahr 1917 wird in der zeitgenössischen Kritik als „hochinteressante und prachtvolle Aufnahme der Besteigung bis zum Gletscher und der Eisgrotte“ beschrieben. Dank früher Farbverfahren (rote Viragen und blauen Tonungen) erstrahlt dieses Naturereignis auch auf der Leinwand in prächtigen Farben.

3. Sprich mit ihm
Bei diesem Bergmonolog handelt es sich um einen Ausschnitt aus einer Zusammenarbeit von Robert Steijn und dem Theater im Bahnhof, Uraufführung: Regionale 10
Dauer: 8 Minuten

4. Die Besteigung des Großvenedigers von Krimml aus (A, 1928) – Stummfilm
Live Sound: Florian Kmet
Dauer: 8 Minuten
Inszenierte Maskulinität. Erst rast der „einsame Draufgänger“ mit dem Motorrad durch idyllische Dörfer, anschließend schreitet er leichten Schrittes vom Tal direkt auf die Spitze des Großvenedigers.

5. Somatic Script – Preview
Erste Version zur choreografischen Recherche 2011 von Georg Blaschke in Form eines packenden Körperduos.
Recherche und Performance: Heide Kinzelhofer und Petr Ochvat
Soundtrack: Ulrich Troyer
Feldenkrais Training: Sascha Krausneker
Ausgehend von den somatischen Biografien der Performer wird körperlich verankerten emotionalen Erinnerungsspuren nachgegegangen. Diese werden in ihrer Artikulation intensiviert und nach ihrer räumlichen Erweiterung befragt. So entstehen persönliche, choreografisch verortbare Spuren von Begegnung und Berührung, die sich in den transparent denkbaren Raum fortsetzen und ihn verlassen.

6. Die Würghand (A, 1920) – Stummfilm und DVD-Präsentation
Der bei der Viennale 2010 mit großem Erfolg in der Serie femme fatale uraufgeführte Stummfilm Die Würghand aus dem Jahr 1920 wird mit der fulminanten elektronischen Live Musik von Juergen Berlakovich und Ulrich Troyer gezeigt. Dabei handelt es sich um eine Produktion aus der Reihe „CinemaSessions“ des Filmarchiv Austria.
Aus dieser Zusammenarbeit produzierte das Filmarchiv Austria die erste DVD der Reihe „CinemaSessions“ mit dem Titel Die Würghand.
Laufzeit: 69 Minuten

Embraceable You

Basierend auf einem Trainingslabor, das die Feldenkrais Methode mit zeitgenössischer Tanztechnik zu verbinden suchte, wurden tänzerische Duette entwickelt, die zur Erarbeitung einer Choreografie für Studentinnen und Studenten der Konservatorium Wien Privatuniversität führten.

essence of touch

Gezeigt wir das Resultat eines zweiwöchigen Arbeitsprozesses mit den Studierenden des 3. Jahrgangs der Abteilung Tanz. Befragt wurden die Möglichkeiten der Repräsentation von Körpern in unterschiedlich differenzierten Konstellationen von Paaren, basierend auf einem sogenannten „somatischen“ Zugang zu Bewusstheit von Bewegung und Präsenz. Recherchen zur Selbstwahrnehmung körperlicher Positionierungen im Raum führten zu einer verfeinerten Auseinandersetzung mit Qualitäten von Berührung und Kontakt und ließen choreografische Anordnungen entstehen.

I like to move it, move it

Im Rahmen des großen Schulprojekts von Linz09 Kulturhauptstadt „I like to move it, move it“ haben sich Schülerinnen und Schüler von zwei Schulen in Linz und Traun acht Wochen lang unter der Betreuung von Georg Blaschke und Amanda Piña mit Bewegung und Tanz beschäftigt. Ergebnisse und Einblicke in den Prozess präsentierte ein Abschlussabend in der Spinnerei Traun am 30. April 2009.
Wir widmeten den Abend allen Menschen mit Offenheit und Liebe zur Bewegung!

Programm:

O. T. M. – Original Trauner Moves
Mitwirkende: Schülerinnen und Schüler der zweiten Klassen der Musikhauptschule Traun, musischer Zweig.
Musik: Supatone
Betreuung: Isolde Schobesberger, Cornelia Wögerbauer
Dauer: 25 Minuten

„Wir sind in die Stadt gegangen und haben Menschen um eine Bewegungsspende oder Gangart gebeten. Objekte in aller Öffentlichkeit haben wir auch beobachtet. Mit dem Körper eingefangen, zurückgebracht und unter Eigenregie zu einzelnen Choreografien zusammengestellt, entstand mit dem Bewegungsmaterial schließlich eine Performance, die wir speziell für den Raum der Spinnerei entwickelt haben.“

O. T. M. – Rap
Mitwirkende: Schülerinnen und Schüler der zweiten Klassen der Musikhauptschule Traun
Einstudierung: Isolde Schobesberger
Basierend auf Bezeichnungen, Ortsangaben und Aussprüchen zu unseren Original Trauner Moves.
Musik: Felix Janosa
Dauer: 4 Minuten

Pause

Anda’s Dream Performance zum gleichnamigen Film
Mitwirkende: Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse des musisch-kreativen Zweigs, BRG Linz, Hamerlingstraße
Musik: The Maxwell Implosion
Betreuung: Anita Döllerer, Inga Renezeder
Dauer: 15 Minuten

Körpergeschichten und installative Bilder im Raum inspirierten sowohl szenische als auch filmische Momente. Die von den SchülerInnen entwickelten Ideen wurden während des Prozesses hinsichtlich einer zeitgenössischen Bewegungssprache und der Authentizität möglicher Rollenbilder beim Performen befragt.

Anda’s Dream – Filmpremiere
Ein Film von Georg Blaschke, Amanda Piña und Daniel Zimmermann
Dauer: 20 Minuten

körper. bauen. stellen. kons

Diese Arbeit stellt weniger eine Choreografie im traditionellen Sinn dar, als eine prozesshafte Auseinandersetzung mit dem Körper und seiner Bezugnahme zum gegebenen Raum und dessen Begrenzungen. Strukturelle Module sowohl im körperlichen wie im architektonischen Sinn und Schwerkraft provozieren Körperformationen, die sich sukzessive in den offenen Raum öffnen und sowohl ein spezielles Timing wie eine bestimmte Direktheit von Bewegung erfordern. Die Studentinnen und Studenten haben das choreografische Material großteils in Eigenregie entwickelt.

körper. bauen. stellen. trio

In seiner erfolgreichen Soloversion zu körper. bauen. stellen. hat Georg Blaschke eine performative Sprache entwickelt, die in diesem Format konsequent zu einem Trio erweitert wird. Ausgangspunkt der Arbeit ist der entleerte gegebene Raum, seine Begrenzungen und deren strukturelle Beschaffenheit. Die reduzierte choreografische Komposition thematisiert die Selbstwahrnehmung der Performer als ironisches Werkzeug für Improvisation und begreift Choreografie eher als Auflösung von Form und Körpergedächtnis in den offenen Raum hinein.

körper. bauen. stellen. solo

anhand einzelner körperbaustellen analysiere, ritualisiere und kartografiere ich in dieser solo-performance muster von in den körper eingeschriebenen urbanen erinnerungen und entwickle daraus eine persönliche mundart dieses körpers, der sich mir gleichermaßen als rohmaterial und konstrukteur anbietet. so exponiert sich dieser körper ständig wechselnden bauarbeiten an sich selbst und am raum an sich. er passiert, überquert die schnittstellen zwischen ihm, seiner haut und dem raum, wechselt die territorien der baustellen und erfährt dadurch eine permanente neuverarbeitung. mischverhältnisse, untergründe und haltbarkeitsgarantien werden getestet, veröffentlicht, verworfen. am ende stellt sich die frage welcher rohstoff, welcher body-schutt denn dazu dienen könnte dem gegebenen raum tatsächlich ein stück neuen körper-baus hinzuzufügen.

each something is a celebration of the nothing that supports it.
john cage

12manandawomanwaltzes

In diesem 12-Songs-Stück werden die Themen Distanz, Nähe, Annähern, Sich-Umkreisen, Sich-Aufgeben, Sich-Auflösen als permanente Transformation abgehandelt. Als narrative Grundlage dazu dienen Sequenzen aus den früheren Godard-Filmen, speziell dem wunderbaren, zeitlos aktuellen Film „Pierrot le fou“ (1965), in welchem uns Godard die Geschichte „of the last romantic couple“ erzählt. Diese Szenen haben die beiden Performer verinnerlicht um sie als mögliche Geometrie der Liebe zum Ausgangspunkt zu wählen. In 12 Architekturen von Raum, Bild und Körper durchleben sie verschiedene Ansätze einer Formalisierung desselben Ausschnitts zu den ewigen Themen Mann – Frau, Liebe auf der Flucht, Liebe ohne Ausweg oder Liebe als Freiheit.

Andere Projekte

Kleine Aktionsgedichte I–III über Pier Paolo Pasolini
Schlafen ohne Ort
Kafka – Die Verwandlung. Getanzt.
Viecher
space dervish
SiriusSteps
Mycenae: A Dance Poem.
Choreos – A Dance Odyssey
59, 58 angels at my gate – rent an angel
Fingerdisco mit Pauline – rent an angel
Günter Marinelli trifft Georg Blaschke – ein Dialog auf zwei Schaukeln
Lehmanns Adressen – Mis-Guide – Stadtverführungen in Wien
MindMapping 1020 / Tänzerische Wege der Erinnerung und der Gegenwart