Gras

In mehreren Serien von Aktionen mit jeweils klar bestimmtem Ausgangsszenario setzt sich der Performer Georg Blaschke dem Auge des Fotografen Laurent Ziegler aus. Der Körper mutiert zur inneren wie äußeren Landschaft, zum Boden für seriell inszenierte Überlagerungen mit organischen Substanzen, die im sinnlichen Erleben Wahrnehmungsgrenzen erfahrbar machen und formal zu Erweiterungen des Körperbildes führen. Ein intimer Tanz am Horizont von Fokus und Verschwommenheit.
Als Resultat entstehen 12 überlebensgroße, freistehende Abbildungen, die in einen installativen räumlichen Zusammenhang gesetzt werden. Hinter den Abbildungen äußerer Erscheinungsformen treten jene Schichten zutage, die sich dem ersten Blick und vertrauter Analyse entziehen. Gras lädt das Publikum dazu ein, in die suggestive Kraft der Bilder und deren spezifischer räumlicher Verortung einzutauchen und Grenzerfahrungen nachzuspüren, angehalten in der Zeit.
Die Bilder wurden in einer Serie von 12 C4-Prints in 110 × 165 cm (kaschiert, limitierte Auflage, 2013) erstellt. Für ihre Platzierung in Form von zwei beidseitig einsichtigen Triptychons wurden sechs Metallstellwände produziert. Die Installation wird dem jeweiligen Ausstellungsort angepasst und wurde bisher präsentiert bei:
ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival #30, Theater Odeon Wien
9. Burgenländische Tanztage, OHO Galerie, Offenes Haus Oberwart

„One of the greatest challenges in today’s culture, urgently necessary from a political point of view, is how to bring analytical skills to bear on the perceptual physiological lan­guage of the image, an event and not an object — constantly changing, living and growing.“
Bill Viola, Unseen Images, 1992

I don't remember this body

I don’t remember this body ist die erste Zusammenarbeit des Wiener Choreografen Georg Blaschke und des Medienkünstlers Jan Machacek. Als wesentliche Gestaltungsprinzipien setzen Blaschke und Machacek Schleifen und Wiederholungen von Bewegungsabfolgen ein, um den vertrauten Körper und den Raum abzutasten, zu vermessen und zu verfremden. Die Verflechtung von physischer Aktion mit Videomaterial spielt mit Phänomenen des Wiedererkennens, des Erinnerns oder der Neudeutung von Präsenz. Die Überlagerungen von realen Erlebnissen und projizierten Aufzeichnungen beschäftigen das Auge des Videokünstlers ebenso wie die Sinne des Performers, der die Kontinuität des eigenen Körpers befragt. Die beiden Künstler interessiert dabei vor allem der Moment, in dem man mit dem eigenen Medium an eine Grenze stößt, und wie diese Grenze zum Impulsgeber für eine Reaktion des anderen wird.

Die Premiere dieser Arbeit wurde 2017 eigens für den Galerieraum von Andrea Jünger in Wien anlässlich einer Ausstellung des renommierten österreichischen Malers Rudolf Goessl entwickelt. – Nun gestalten Blaschke, Machacek und ihr künstlerisches Team im Rahmen einer Wiederaufnahme eine spezielle Version zur Neueröffnung der brut-Spielstätte in der Zieglergasse.

PRESSESTIMMEN:
„[…] Hier tanzen die virtuellen Bilder über die analogen, als ob diese wirklicher wären als jene, nur weil sie den Triumph ihres Aufblitzens, Dahinflimmerns und Simulierens ausspielen können. Der Körper des aus dem Apparat gespeisten Gespensts kann sich nicht erinnern – und er ist von dem, den er wiedergibt, vollständig getrennt. Das wird besonders gut nachvollziehbar, wenn Georg Blaschke ein – erstaunliches – Duett mit dem Wiedergänger tanzt. […] Die Trinität Blaschke, Machacek und Goessl macht sich nicht lustig über die Einbildung, das Abbild, der virtuelle Wiedergänger und die digitale Manipulation des Körpers wären ein Hintertürl ins ewige Leben. Sondern fegt sie in aller Härte und Souveränität vom Tisch.“

Helmut Ploebst/derStandard/Gesamte Kritik unter: derstandard.at/

“[…] Die dramaturgisch stringent in mehrere Sequenzen, die ineinander übergehen, einander fast „logisch“ folgen, unterteilten Dialoge zwischen sich im Raum bewegenden „Live“-Körper und dessen „projizierten Aufzeichnungen“ lassen die „Verflechtung von physischer Aktion mit Videomaterial“  zu einem beeindruckenden Wechselspiel von Impuls und Reaktion, Beobachtung und Einflussnahme, Abhängigkeit und Grenzüberschreitung werden. […] Die folgenden Passagen dieses Abends nehmen immer wieder Bezug auf Fragen nach dem, was der Körper be-wirken kann, wo er an seine Grenzen stößt, oft nahezu gewalttätig, sich verrenkend, selbstverletzend den Raum in und um sich zu weiten, von sich abzurücken versucht. Wann er selbst, der Körper des Choreografen, des Tänzers, zum Objekt wird, zum Beobachter, ja, auch zu einer Kopie. Wann beginnt was? Die Entscheidungen fallen im Laufe des Abends immer schwerer, während die Performance kontinuierlich mehr in ihren Bann zieht.“
Angela Heide/tanzschrift/Gesamte Kritik unter: www.tanzschrift.at/

Antonio's imaginary workshop

Der aus Hong Kong stammende Maler und Bildhauer Antonio Mak (1951-1994) gilt als einer der signifikantesten Künstler seiner Zeit, dessen Arbeiten viele, die ihnen begegnet sind, nachhaltig beeindruckt haben. Besonders Maks figurative Bronzegussarbeiten, die vom realen männlichen – meist seinem eigenen – Körper ausgehen und mit viel Sinn für Humor und surrealer Imaginationskraft sowohl visuell als auch von der technischen Meisterschaft her beeindrucken, begründen eine einzigartige Ikonografie, die gleichzeitig auf westliche und chinesische Metaphern zurückgreift.

Die auf den wenigen vorhandenen Quellen über Leben und Werk dieses Ausnahmekünstlers basierende choreografische Anordnung wird für zwei weibliche Performerinnen (Katharina Senk, Manaho, Shimokawa) und einen männlichen Performer (Tomaž Simatovic) auf der gesamten Etage der WUK-Museumsräume inszeniert. Choreografieren wird dabei ähnlich der Arbeit des Bildhauers zum Prozess des Freilegens von körperlichen Artikulationen und skurrilen Objektlandschaften. Der eigene Körper wird auf eine Zerreissprobe gestellt, da er in ein Geflecht gegenläufiger Tendenzen eingebunden scheint. Dieses Dilemma manifestiert sich bei Antonio Mak in einem starken Bewegungsimpuls, der seinen Skulpturen innewohnt, die förmlich aus sich heraustreten wollen. Diesem Impuls folgen die PerformerInnen in einer sehr persönlichen Referenz zu den Bild- und Textmaterialien.

PRESSESTIMMEN:
Georg Blaschke überzeugt mit „Antonio’s imaginary workshop“

 – Ein Mann als Skulptur, die zum Leben erwacht, eine Frau, deren Bauch sich zu einer Kuppel wölbt, und eine Figur, die eine Leiter auf ihrem Becken balanciert: Das ist die Trinität, die Georg Blaschke in seinem neuen Stück Antonio’s imaginary workshop vorstellt, das im „Museum“ des WUK uraufgeführt wurde – als abermals gelungene Arbeit des Wiener Choreografen.

Helmut Ploebst/derStandard/Gesamte Kritik unter: derstandard.at/

[…] 

Der in Salzburg wirkende, in Slowenien geborene Tänzer Tomaž Simatović, die Wiener Tänzerin Katharina Senk und die Performance-Künstlerin Manaho Shimokawa aus Japan verbiegen, beugen, verdrehen den Körper, die Extremitäten scheinen an der falschen Stelle angewachsen, der Kopf sitzt nicht mehr auf dem Hals, jeder Finger, jede Zehe haben ihr Eigenleben – der Körper ist zerlegt, die Grenzen des Machbaren sind überschritten. […] Gewagt und beeindruckend.

 Eine markante, eindrucksvolle Weiterentwicklung des choreografischen (und tänzerischen) Werks von Georg Blaschke. Eine bewundernswerte, auch ästhetisch außergewöhnliche und sehenswerte Leistung aller Beteiligten. Ein Abenteuer für Performer*innen und Zuschauerinnen.

Ditta Rudle/tanzschrift/Gesamte Kritik unter: www.tanzschrift.at/

Georg Blaschkes Körperrecherche hat in den Objekten von Antonio Mak eine kongeniale Entsprechung entdeckt, verfolgen beide mit ihrer Kunst doch den Körper zu erweitern, der eine mit Skulpturen, der andere in Bewegung. Für sein Konzept hat Blaschke außerdem drei unterschiedliche PerformerInnen gefunden, die ganz „natürlich“ ihre Rolle in Antonios Werk gefunden zu haben scheinen. Der Titel, „Antonio’s imaginary workshop“, wird dabei in doppelter Hinsicht realisiert: als Ideenworkshop zum Werk und als bildstarke Umsetzung. Christian Schröder hat dazu einen akzentuierten Soundtrack kreiert, von Hanna Hollmann stammen die Kostüme. 

[…] Diese Trilogie zu Antonio Maks Arbeit bietet einerseits die Möglichkeit die hierzulande eher unbekannte Arbeit des früh verstorbenen Künstlers kennenzulernen – in einer Slideshow vor Beginn der Vorstellung. Gleichzeitig wird durch die großartige choreografisch- tänzerische Umsetzung ihr immanenter Bewegungsimpuls weiterentwickelt. Georg Blaschke und sein Team haben das großartig realisiert.
Edith Wolf Perez/tanz.at/Gesamte Kritik unter: www.tanz.at/

Fluid Theatre

Fluid Theatre beschäftigt sich nicht mit vorgefassten Erzählformen. Es suggeriert einen plastischen, sinnlichen Zufluchtsort in Form einer vergänglichen Architektur. Permanente Bewegung und Umgestaltung sind wesentliche Eigenschaften dieses fluiden Habitats, das im Zusammenspiel von körperlichen, visuellen und akustischen Interaktionen gestaltet wird. Der visionäre Raum des Fluid Theatre duldet keinen Stillstand. Die Haut wird zur sinnlichen Metapher für Verläufe des Streichens, Faltens und Bedeckens, die sukzessive die Dramaturgie eines un-wirklichen Schauspiels bestimmen.

Fluid Skin

Gemeinsam mit seinem Team entwickelt Georg Blaschke zum zweiten Mal eine choreografische Arbeit speziell für die inspirierenden Räumlichkeiten der Wiener Innenstadtgalerie. Dabei handelt es sich diesmal um zwei Männersolos, die in die laufende Ausstellung von Michael Blank integriert werden.
Bei F L U I D S K I N beschäftigt uns die Frage nach dem Verhältnis von bewegten Oberflächen. Choreografisch strukturierte Körperaktionen, Lichtprojektionen und Über-lagerungen von fragmentierten Mustern generieren virtuelle Räume im gegebenen Umraum der Galerie. In diesen un-realen Räumen folgen die Performer einem verdeckten Subtext, der sie in das fluide Habitat einnisten lässt. Die speziell für die Örtlichkeit entwickelte Klanginstallation intensiviert das Erlebnis eines imaginativen Zufluchtsorts und komplementiert gleichzeitig die Entwicklung eines choreografischen Modells, das auf andere Räume übertragbar ist.
Körperaktionen, akustische und visuelle Interventionen werden als gleichwertige Parameter im Zusammenspiel der Live-Performance betrachtet.

ENG PENG! das Himmelreich

tanzmontage.Balance arbeitet im Rahmen einer Tagesstruktur des Vereins Balance – Leben ohne Barrieren täglich im zeitgenössischen Tanzkontext. Die Gruppe von PerformerInnen mit und ohne Behinderungen wird von Sonja Browne/danse brute und Inge Kaindlstorfer/Lux Flux geleitet. Die Diversität von Körpern und mentalen Dispositionen bestimmen den ästhetischen Ausdruck. Das Arbeitsfeld bewegt sich im Spannungsfeld zwischen kodiertem Verhalten und Anarchie. Die Virtuosität liegt in der Kontextualisierung von alltäglichen, fehlerhaften und persönlichen Äußerungen.
Der Ausgangspunkt der Arbeit ist Selbstbestimmung und Inklusion als gesellschaftspolitische Haltung.

ENG PENG! das Himmelreich ist das Ergebnis einer inklusiven Recherche  zum Thema „tight“, die von Georg Blaschke geleitet wurde und im Rahmen von neun Vormittagen an zwei Probeorten erarbeitet wurde. Dabei standen Gruppenbilder und Partnerarbeit mit unterschiedlichen Nähe- und Distanzverhältnissen im Mittelpunkt der choreografischen Auseinandersetzung. Weiters wurde die Frage nach einem der Gruppe innewohnenden Zeitgefühl gestellt, das sich durch die Praxis gegenseitiger Achtsamkeit im Umgang mit dem eigenen und dem anderen Körper herauskristallisiert.

Daraus ergaben sich faszinierende wie überraschende, unvorhersehbare Momente der sowohl alltäglichen wie künstlerischen Begegnung, die auch zur Verfeinerung des beobachtenden Blicks von außen beigetragen haben.

Thoracic Park

Ausgehend von persönlich gewählten Inspirationen aus Werken der bildenden Kunst entwickelten die Studierenden solistische Formate. Eine Woche vertiefte Auseinandersetzung mit der Feldenkrais Methode führte zu einer verfeinerten Bewusstheit von Berührungsqualitäten, zu gesteigerter Beweglichleit speziell im Bereich des Brustkorbs und zur Entwicklung gestischer Referenzen im Raum. Infolge wurde das Ausgangsmaterial der Soloarbeiten dazu verwendet  Partner- und Gruppensequenzen zu erstellen, mit welchen dann eine choreografische Landschaft gebaut wurde. Bedeutsam erschien im Prozess die wiederkehrende Frage wie wesentlich  die individuelle Präsenz und Interpretation von choreografischem Material den Gesamtkontext bereichert.

STAINS

In diesem Solo resümiert Georg am eigenen Körper seine zweijährige Auseinandersetzung mit dem Wiener Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch. Stains trägt der Detailfülle an Ikonen und dem innewohnenden choreografischen Potenzial des Gemäldes Rechnung, entwirft aber gleichzeitig den Versuch dramatische und bedeutungsvolle Bezüge zum Bild hinter sich zu lassen. Dem Körper wird dabei als aktuelles Instrument des Ankommens, Erinnerns und Fortkommens vertraut. Die choreografische Methode begreift sich als ein Prozess der Freilegung und Klärung notwendiger gestischer Referenzen und Orientierungen im Raum.

Das vor einem halben Jahrtausend gemalte Weltgerichtstriptychon ist für mich ein lautes Bild, ein Aufschrei nicht nur wegen der Fülle an Gefolterten, die paradox ausdruckslos dargestellt werden, sondern wegen der überbordenden Dichte an Ereignissen zur gleichen Zeit, die der Rahmen des Retabels kaum einfassen, kaum halten kann. Alles drängt. – Ein visionäres Kaleidoskop des damaligen wie heutigen Weltzustands mit konkretem Informationsgehalt über das vom Menschen durch allerlei Überbau pervertierte Verhältnis zum eigenen wie anderen Körper.

The Bosch Experience part II

Am letzten Oktoberwochenende wird die imposante Räumlichkeit der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik in Wien Favoriten mit body & machinery von Georg Blaschke und timor et tremor von Hubert Lepka bespielt. Am 29. Oktober findet die Uraufführung dieser Werke statt.
Im Rahmen des zweiten Teils der Trilogie The Bosch Experience, ein zweijähriges Projekt des Vereins M.A.P. Vienna Movement Art Programmes, wird dieser Abend als Ergebnis einer spezifischen Zusammenarbeit zwischen Georg Blaschke, Hubert Lepka und der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien gestaltet. Ausgangspunkt für dieses einzigartige Programm ist die außergewöhnliche künstlerische Reaktion der beiden Choreografen auf das weltberühmte Gemälde Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch (um 1450/55-1516). 2014 wurde der erste Teil dieses Projekts von Georg Blaschke mit großem Erfolg im Rahmen des ImPulsTanz Vienna International Dance Festivals gezeigt.

In body & machinery nimmt uns Georg Blaschke mit auf eine Reise in einen durch den Einsatz von Maschinen und Maschinenrelikten erweiterten choreografischen Aktionsraum. Zwei Körper treten in Resonanz zur wuchtigen und zergliederten Materialität der Relikte und deuten das funktionale Verhältnis um: Was ursprünglich dazu diente dem Körper und der Erde Wunden und Genüsse zuzufügen, liegt nun brach, enthoben seiner ursprünglichen Brauchbarkeit. Hier wird die Maschine als mögliches Werkzeug des Aufwühlens von Boden und Fleisch, aber auch als zerlegbare Anhäufung grotesker Details betrachtet. Der eindrücklichen Bilderwelt des Gemäldes von Bosch wird durch diesen choreografischen Entwurf ein komplexes und spannendes Bewegungsbild gegenübergestellt. Die Dramaturgie der Aktionen wurde in konsequenter Zusammenarbeit der beiden herausragenden Performer_innen Mirjam Klebel und Giovanni Jussi / Juan Dante Murillo mit der Klangregie von Christian Schröder, der Objektgestaltung von Hanna Hollmann, der dokumentarischen Begleitung von Angela Heide und dem Lichtdesign von Veronika Mayerböck entwickelt.

Nach den Produktionen engel, hochwald und sägewerk (Uraufführung im Sommer bei der Szene Salzburg) ist timor et tremor der vierte Aggregatzustand des Projekts von Hubert Lepka / lawine torrèn zum Thema Landschaft. In diesem Duett für eine LED-Wall und eine Tänzerin beschäftigt sich der Künstler mit Mehrstimmigkeit und Bewegung. Aus seiner Arbeit spricht ein besonderes Interesse an den Auswirkungen von Vielstimmigkeit auf die Ästhetik des zeitgenössischen Tanzes, was in die Frage mündet: Können Gegenbewegung, Krebs, Umkehrung und Fuge für eine Ästhetik des Grauens nutzbar gemacht werden? Mehrstimmige Musik von der Renaissance bis zum Rock, die überlebensgroßen Projektionen von Christian Wymetal, der Film von Stefan Aglassinger sowie die Live-Performance von Barbara Földesi fügen sich zu einer beeindruckenden Kurzperformance.

b r a n d e n

Ein außergewöhnlicher Performance-Event in den adaptierten Räumlichkeiten einer ehemaligen Bäckerei (Schrammel) in der Wieden!
In b r a n d e n entwirft der Wiener Choreograf Georg Blaschke ein performatives Frauentrio, in dem Fragmente von traditionellen polyphonen Gesängen mit gestischen und choreografischen Sequenzen verwoben werden. Stimme und Körper treten in nuancierte Resonanz zum gegebenen Raum. Die unkonventionelle expressive Sprache der drei mitreißenden Performerinnen Clélia Colonna, Rotraud Kern und Mirjam Klebel entfaltet eine vielschichtige Klanglandschaft und überträgt die Kraft einer verborgenen Sehnsucht in eine Dramaturgie von Bewegungsbild und Echo.

Die Performance wurde ursprünglich als choreografische und musikalische Auftragsarbeit für die Sonderausstellung Lust am Schrecken in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien konzipiert. Der neu gegründete Kulturverein „Freunde der Wiedner Salons“ laden am 20. und 21. Oktober zu einer neuen, speziell adaptierten Version dieser Arbeit ein, die nun die inspirierenden Räumlichkeiten der Galerie Jünger im Rahmen der aktuellen Ausstellung von Werner Schnelle und Uwe Hauenfels bespielen wird.

The Bosch Experience part I

Im Rahmen von ImpulsTanz – Vienna International Dance Festival #31 und in Kollaboration mit der Gemäldegalerie und der Akademie der bildenden Künste Wien präsentierte Georg Blaschke und sein künstlerisches Team zwei Arbeiten:
Prélude Paradise und Bosch frontal.
Beide Arbeiten stellen eine künstlerische Reaktion auf das in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste Wien ausgestellte Werk Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch (um 1450/55–1516) dar.
Den Anlass dafür bilden die internationalen 500-Jahr-Feiern 2016 und die ungebrochene Faszination und zeitgenössische Relevanz, die dieses gleichermaßen beeindruckende wie beunruhigende Juwel der Kunstgeschichte nach wie vor ausstrahlt.
In den Ausstellungsräumlichkeiten von xhibit wurden beide Arbeiten verwoben und von einer Führung zum Gemälde eingeleitet.

 

Prélude Paradise

Chor und Bewegung für drei Stimmen

Diese choreografische und musikalische Komposition für drei Frauen bezieht sich auf den linken Innenflügel des Triptychons – Das irdische Paradies. Unter der musikalischen Leitung der Sängerin und Performerin Clélia Colonna, die ihre künstlerischen Wurzeln in traditionellen polyphonen Gesängen hat, wurde diese Arbeit hauptsächlich in der Kirche San Bonaventura während einer Residenz in Bassano del Grappa, Italien erarbeitet. Liedformen und Liedtexte sind vom Gemälde inspiriert und basieren zum Teil auf Eigenkompositionen.
Durch Improvisation, Gesangspraxis und choreografische Reflexion wurde gemeinsam mit den Performerinnen und in enger Kollaboration mit der Kostümbildnerin in mehreren Etappen eine eigene expressive Sprache entwickelt. Stimme, Stoff und Körper tragen ein Echo des Gemäldes in die Räumlichkeiten von xhibit.
Prélude Paradise – eine performative Bezugnahme auf bildende Kunst vom Klagelied bis zum Punk Song.

 

Bosch frontal

Diese für eine Tänzerin und drei Tänzer entwickelte Arbeit stellt eine installative und choreografische Auseinandersetzung mit den Körperbildern auf der Mitteltafel und dem rechten Flügel des Triptychons dar (Das Jüngste Gericht und die Sieben Todsünden, Die Hölle und der Höllenfürst).
Die überbordende Fülle an Körperdarstellungen und Details wird von symbolistischem Beiwerk befreit und einer Analyse der Anordnungsmuster und Zeitebenen, die das Gemälde suggeriert, unterworfen. Es entsteht ein performatives Experimentierfeld von Körperverhältnissen und Stellungen entblößter Körper zueinander, die in eine mobile Licht- und Soundinstallation eingebettet werden. Die Dramaturgie der Aktionen wird entscheidend von den speziell entworfenen Kostümteilen beeinflusst.
Entleerung und choreografische Umordnung lassen neue Deutungsebenen des Gemäldes zu, die der frontalen Wucht des Gemäldes und der Detailbesessenheit Boschs Rechnung tragen.

multipletwo

Begleitet von der perkussiven Wucht von einem der besten Live-Drummer Österreichs thematisiert multipletwo Phänomene von Gleichzeitigkeit und Verdoppelung in einem choreografischen Setting. Eine einfache Geste löst eine Kette von choreografischen Ereignissen aus, die in eine strukturell komplexe Tanzperformance münden, die Gewohnheiten ganzheitlicher Wahrnehmung befragt. Durch das Wechselspiel ausgefeilter rhythmischer Strukturen und elektronisch generierter Überlagerungen mit der tänzerischen Aktion wird ein Raum der Vibration frei gelegt – ein Raum, der die Grenzen zwischen zwei getrennt wahrnehmbaren Bildern verschwimmen lässt.
Die Arbeiten von Georg Blaschke erzeugen im Auge des Publikums oft intensive emotionale und narrative Assoziationen, die gleichsam das Potenzial eines archetypischen Zugangs zu Choreografie und zur Ausdruckskraft purer körperlicher Gestik bezeugen.
multipletwo wurde in zwei Versionen gezeigt.

verzweigt

Listen, I am not in between the trees
See, I am a bunch of birches
Feel, I am elongated lines growing into the sky
Smell the black and white of my bark, my skin
Sense, I am regularly spread in space
Know, I am a garden, in a field, birds do settle in my charms
Wind goes through me, wind blows among my trunks

I was/am somewhere/nowhere
I was/am something/nothing/ I know/feel I am too much
I

Der holländische Performer und Dramaturg Robert Steijn schreibt für den Choreografen Georg Blaschke ein Gedicht für eine fiktive Performance. Georg Blaschke gibt einen Auszug davon an die Studierenden weiter mit der Aufgabe sich von ihm zur Gestaltung eines kurzen Tanzsolos inspirieren zu lassen. Ausschließlich die choreografischen Vorschläge dieser Solos werden zu einem choreografischen Gruppenstück verwoben.
In Wien bildete ein zweiwöchiger Feldenkrais-Workshop die Basis der Bewegungsrecherche. In Tel Aviv boten ein dreiwöchiger Workshop und Improvisationsvorgaben die Möglichkeit choreografisches Material zu entwickeln und tänzerische Qualitäten zu verfeinern.

scaPes sound&choreography

Die erste Ausgabe des neuen, selbstorganisierten, von M. A. P. Vienna und D.ID Dance Identity produzierten Festivals zeigt sechs neue Stücke von in Österreich lebenden und international tätigen ChoreografInnen und Performance-KünstlerInnen.

Ort: Brick-5 Wien
Termine: 5.–7. Dezember 2013

Programm:
Michael Turinsky / Signature Series
Alessandro Sciaronni / Untitled(2)_you don’t know how lucky you are
Georg Blaschke / multipletwo
Oleg Soulimenko / Love Letters
Clélia Colonna / Yesterday’s Parties & 1:1 cowbirds

figure 5

figure 5 folgt einer choreografischen Struktur sich wiederholender und überlagernder Muster von Gruppenbewegungen, die eindringliche Bilder von fünf Körpern in unterschiedlichen Konstellationen von Nähe und Distanz, von Synchronizität und Intimität erzeugen. figure 5 führt an Barrieren von artikulierbarer Bewegung und lotet das Potenzial emotionaler Aufladung purer Gestik aus. figure 5 formt sich um.
Georg Blaschke hat seine signifikante choreografische Sprache über mehrere Jahre hinweg konsequent weiter entwickelt und in unterschiedlichen Formaten von Kollaborationen präsentiert. figure 5 setzt diese Sprache in Beziehung zu phänomenologischen Überlegungen über Raum und Skulptur, ausgehend vom bewegten Körper.
figure 3 stellte eine Adaption dieser Arbeit für 3 Performer dar.

On the platform with my father

Diese persönliche Arbeit versucht aus der Kindheit erinnerte und vergessene Bewegungsmuster sowie Körperbeziehungen zum eigenen Vater zu rekonstruieren. Körperliche Artikulationen und deren Aussparung setzen diese Bestandsaufnahme in aktuelle räumliche Bezüge. Ausgangsmaterialien sind aufgefundene Super 8 mm Stummfilm-Materialien und besonders die Musik dieser Ära.
Die Raumkünstlerin Stephanie Rauch begleitet den Prozess von Anfang an und schafft für die Performance einen das Biografische abstrahierenden, installativen Ort. Der choreografische Faden folgt einem Prinzip der Schichtung und Umschichtung von Material und Körper in einem gegebenen Raum. Die englische Bezeichnung Platform steht als Synonym für den Ort einer Kindheitserinnerung, als Synonym für ein Verabschieden und Zurücklassen und für den Untergrund auf dem man heute für das Publikum ankommt.

Als Musik habe ich Jazztitel aus dem Vinylerbe meines Vaters gewählt. Ich bin mit dieser Musik im Hintergrund aufgewachsen.