

Einige Texte zu den wichigsten Eigenproduktionen und Gastchoreografien (chronologisch):
Your Dancer. Liz King und Georg Blaschke
Idee & Konzept / Liz King & Georg Blaschke
Künstlerische Leitung / Georg Blaschke
Performance / Liz King
Licht Design / Peter Thalhamer
Soundtrack / Ulrich Troyer
PR & Office / Elisabeth Drucker
Dauer / 30 Minuten
Eine Produktion von D.ID / dance identity und M.A.P. Vienna,
mit freundlicher Unterstützung von bm:ukk und Kultur Burgenland
Liz King, 62 jährige Tänzerin und Choreografin, Pionierin der österreichischen Tanzsszene mit bewegter Geschichte, beauftragt Georg Blaschke für sie ein Solo zu kreieren. Sie möchte seine Tänzerin sein.
Zahlreiche Gespräche, Interviews und ein Sammeln von dokumentarischen Materialien ermöglichen eine biografische Positionierung einer Persönlichkeit, die die gesamte Bandbreite öffentlicher Exponiertheit als weibliche Künstlerin erfahren und verarbeitet hat. Nie aufgeben, umwälzen, neu gestalten, formulieren. Der publizierten Liz King steht ein intimer und sensibler Privatraum gegenüber.
Im Proberaum: der Körper. - Ein Erinnerungsdepot an tänzerischer Technik, gelebter Mutterschaft und somatischer Transformationsprozesse.
Georg Blaschke bleibt so dicht wie möglich an diesem Körper, deutet Artikulationen und räumliche Tendenzen neu, positioniert den Körper als aktuelles und essentielles Geschehen.
Die choreografische Struktur folgt einer Logik der Selbstwahrnehmung. Selbstwahrnehmung als Werkzeug zur Differenzierung von Bewegung und deren Repräsentation im Raum.
Die rhetorische Ebene der Performance bringt Facetten einer Persönlichkeit zum Ausdruck, die somatische Ebene exponiert einen Körper.
"ACCOMPLISHMENT: TO MAKE WORKS IN THE FACE OF THE VOID
TO GAIN FORM, IDENTITY, [...]"
Jim Morrison
in case of loss
In dieser Trio-Performance wird ein Spannungsfeld körperlicher Interaktionen aufgebaut, das sich im Grenzbereich von Tanz und Installation ansiedelt.
Präzise artikulierte Körperformationen positionieren sich, lösen sich in den Raum auf, verlieren den Halt.
Verfremdung und Verformung im Körperbild werden durch Körperkontakt und Berührung intensiviert.
Die Einschränkung von Beweglichkeit durch die räumlichen Begrenzungen und durch die dichte Verwicklung der Körper der Performer ineinander führt zu teils strukturierten, teils unvorhersehbaren Umordnungen im choreografischen Raum. Begegnungen, Improvisation und choreografische Strukturen beruhen auf der Recherche eines somatischen Zugangs zu Artikulation und Repräsentation von Körpern in einem gegebenen Raum. Narration und übergeordnete Themenbildung bleiben dabei bewusst ausgespart. Dadurch bieten sich dem Zuschauer stets neue Deutungsmöglichkeiten eines mobilen Gemäldes.
Die letzten vier Jahre hat sich Georg Blaschke intensiv mit ästhetischen und choreografischen Implikationen somatischer Methoden, besonders der Feldenkraismethode, beschäftigt. Diese beeinflussen die Bewegungsrecherche, die Partnerarbeit und Reflexionen über die Präsenz als Performer in einem gegebenen Raum und stellen Prinzipien der Rekonstruktion von Körperbiografien zur Diskussion.
Georg Blaschke / Konzept, künstlerische Leitung und Performance
Heide Kinzelhofer & Petr Ochvat / Performance und Research
Peter Thalhamer / Lichtgestaltung
Ulrich Troyer / Soundtrack
Sascha Krausneker / Feldenkrais Training
Elisabeth Drucker / PR und Assistenz
mit freundlicher Unterstützung von Stadt Wien/MA7-Kultur, bm:ukk, Jäckel Optik
Danke! an Daniel Zimmermann und Daniel Aschwanden
literary squabbels - Film
Zwei Männer erinnern sich an die Zentralperspektive
Performt und gefilmt in Schlesien, Polen von Daniel Zimmermann und Georg Blaschke / Songs von sad mechanic exercise / Stimme von Hari Köchli
Texte von Alfred Lord Tennyson und Edwin Arlington Robinson
literary squabbels verwebt Gedichte, Songs, Performance und Bild zu einem
berührend komischen, audiovisuellen Gedicht mit zartem Humor.
Daniel Zimmermann / Regie, Kamera, Schnitt, Performance
Georg Blaschke / Regie, Performance, Kameraassistenz
sad mechanic exercise / Hari Köchli & Daniel Zimmermann
Dauer / 25 Minuten
Mit freundlicher Unterstützung von Stadt Wien/MA7-Kultur, bm:ukk und
nadaproductions
Danke! an Agnieszka Osman (Bytom Dance Theatre School) und Wolfgang Haas (CastYourArt)
«...Wir sind das was wir sind; von gleichem Sinn und Mut, vom Zeitgeschick geschwächt, doch stark im Will'n zu streben, suchen, sehn - und nie zu ruhn.“ Alfred Lord Tennyson: Ulysses
Embraceable You
Duo works, based on a training laboratory that introduced the Feldenkrais Method to a contemporary dance practice.
Gastchoreografie für StudentInnen der Konservatorium Wien Privatuniversität.
Künstlerische Leitung, Choreografie / Georg Blaschke
Feldenkrais Training / Sascha Krausneker
Choreografie und Performance / Laura Amtmann, Leonie Bockelmann, Kyra Chlebowski, Cäcilia Färber, Maja Franke, Ana Germ, Celia Hickey, Magdalena Jankowska, Nikoletta Korkos, Kim Rojc, Elisa Stockinger, Yating Yue
Soundtrack / Ulrich Troyer
Dauer / 15 Minuten
Eine Produktion der Konservatorium Wien Privatuniversität und von
M.A.P. Vienna / Georg Blaschke & Elisabeth Drucker
ANDA’s Dream
Ein Film von Georg Blaschke, Amanda Piña und Daniel Zimmermann
Choreografie und Performance : Schülerinnen und Schüler des BRG Hamerlingstraße, Linz
Kamera & Schnitt: Daniel Zimmermann
Produktionsassistenz: Elena Hajek
drehorte: Lentos Kunstmuseum und Haus der Geschichten
Mit freundlicher Unterstützung von
I like to Move it Move it - Das große Schulprojekt von LINZ 2009 - Kulturhauptstadt Europas
© 2009 Georg Blaschke & Nada Productions
Während eines achtwöchigen Prozesses hatten die Performancekünstler Amanda Piña und Georg Blaschke die Gelegenheit mit einer Klasse von Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen fünfzehn und sechzehn Jahren zweimal wöchentlich zu arbeiten.
Dabei stand nicht das Einlernen von Tanzschritten oder Choreografien im Mittelpunkt, sondern die Motivation die Jugendlichen selbst zu Bewusstheit im Raum und in der Gruppe, zu authentischer Bewegung und zur Hinterfragung von Rollenbildern beim Darstellen zu führen. Alle Vorschläge von Körperzuständen und Bewegungsmaterial kamen schleißlich von ihnen selbst und wurden in Diskussion zu Raum und Präsenz gesetzt.
Die Inspiration diesen Film zu gestalten ergab sich vorwiegend aus dem kreativen Potential, das die Schülerinnen und Schüler im Verlauf des Prozesses entwickelten.
Jetzt bist Du dran.
Choreografisches Rekonstruktionsprojekt - zugeeignet Andrei Jerschik.
Basierend auf der Choreografie Mensch im Wahn (UA 1929) von Andrei Jerschik (1902 – 1997).
Thema dieser Performance ist der Akt der Weitergabe und Rekonstruktion von
Choreografie. Im Jahr 1995 hatte Andrei Jerschik noch im Alter von 94 Jahren seine Choreografie Mensch im Wahn an Harmen Tromp direkt übertragen. Die Erinnerungen von Tromp an diesen Prozess und die erhaltenen gleichzeitig berührenden wie energischen Notizen Jerschiks dazu bilden den Kern dieser Auseinandersetzung mit Weitergabe und Rekonstruktion als künstlerischem Akt.
Die Performance folgt einer klaren dreiteiligen Struktur:
1. Original
2. Rekonstruktion
3. Filmische Reflexion über die Weitergabe der Choreografie
Die Uraufführung des Stücks Jetzt bist Du dran. fand als Auftragswerk des Festivals BERÜHRUNGEN. Tanz vor 1938 - Tanz von heute (Kuratorin: Andrea Amort) am 18. Oktober 2008 im Wiener Theater Odeon statt.
Weitere Performances im Posthof Linz / Österreich 2009, bei Impulstanz Wien 2009, bei der Internationalen Tanzkonferenz Bytom 2010, bei Mezzanine, Oporto / Portugal 2010.
Künstlerische Leitung / Georg Blaschke
Einstudierung der Originalchoreografie / Harmen Tromp
Performance / Petr Ochvat
Lichtgestaltung / Peter Thalhamer
Originalmusik / Sergei Rachmaninoff - Prelude in G-Moll, Opus 23, Nr.5
Musik / Mika Vainio
Videobearbeitung / Daniel Zimmermann
PR und Office / Elisabeth Drucker
Dauer: 30 Minuten
Eine Produktion des Festivals Berührungen: Tanz vor 1938 – Tanz von heute / Kuratorin: Andrea Amort und von
M.A.P. Vienna / Georg Blaschke & Elisabeth Drucker
Danke! an Amanda Piña, Anna Prokopova
körper. bauen. stellen. / version trio
Ausgangspunkt der Arbeit ist der entleerte gegebene Raum, seine Begrenzungen und deren strukturelle Beschaffenheit. Die erfolgreiche Soloarbeit körper. bauen. stellen. / body. building. places. und die dabei entwickelte spezielle Körpersprache erweitere ich mit meinem Team nun konsequent zu einem Trio-Format.
In diesem körperlichen und räumlichen Experimentierfeld (Release-based) entstehen dichte, vom Material und den Oberflächen abhängige Körper-Crashes, manchmal skulpturale Formationen, die sich eindringlich als persönliche Statements zu Raum, Schwerkraft und Stille positionieren und sich sukzessive in den offenen Performance-Raum auflösen.
Die sich daraus definierende reduzierte choreografische Komposition wird einer subtilen Ironie der Selbstbetrachtung und Direktheit des Performing unterzogen.
Jede Version dieser Arbeit wird im gegebenen Raum neu adaptiert, umgebaut und stellt deshalb immer auch eine spezielle Auseinandersetzung mit den lokalen Bedingungen dar.
Dieses Projekt wurde zum Teil in Residenz bei Dance Identity D.ID/Liz King erarbeitet.
Besetzung:
Konzept und künstlerische Leitung: Georg Blaschke
Choreografie und Performance: Andrea Stotter, Heide Kinzelhofer, Georg Blaschke
Lichtdesign: Peter Thalhamer
Musik: Stan Getz
Feldenkrais-Training: Sascha Krausneker
Produktionsassistenz, PR: Elisabeth Drucker
Dauer: 40 Minuten
Mit freundlicher Unterstützung von Stadt Wien/MA7-Kultur, bm:ukk, D.ID, WUK Wien, Jäckel Optik
Fingerdisco mit Pauline
Diese Performance überrascht gerecht zur Weihnachtszeit mit einem Spiel konträrer Präsentationsformate, in diesem Fall die Kunst des Discotanzes betrfeffend.
Was Finger alles bewegen können.
Die Auflösung der Show wechselt zwischen nackter Überhöhung und reduzierter Selbstdarstellung im Retrostil.
Die Choreografie ist klar gesetzt. Es kann sogar sein, dass sie einmal exakt wiederholt wird, ohne dass eine Zugabe verlangt wurde.
Her hips, wow! Lass mich dich tanzen into the light tonight...
Die Performance ist selbstverständlich familien- und wohnzimmergerecht, besonders im Schein sich drehender Christbaumdiscokugeln.
Idee, Konzept und Performance: Georg Blaschke
Lehmanns Adressen
Ausgehend von Lehmanns Wiener Adreßbuch aus dem Jahr 1935 lade ich zu einer Erinnerungs-Promenade, zum Nachzeichnen von Bezugs-Linien durch Wien ein, einem Wien von damals, von „vorher“ und einem von heute.
Linien der Wege, der Menschen, der Mittel, der Zeichen.
Menschen und Bauten, verschwundene, erinnerte, neue, gebliebene.
Das Adressbuch ist ähnlich heutigen Telefonbüchern strukturiert, jedoch nicht nach Namen, sondern nach Bezirken und in alphabetischer Reihenfolge nach Straßennamen, aufwendig und detailliert mit damals gängigen Branchensymbolen bei den jeweiligen Adressaten versehen. Telefonanschlüsse gab es damals noch selten pro Haus.
Der 22. Und 23. fehlen noch!
Ich werde an einem auszuwählenden Treffpunkt, dem traditionellen Cafè Eiles in der Josefstadt, den Gast/das Publikum zuerst zu einem offenen Gespräch und einem Studieren des Buches einladen um
Zeichen, Symbole, Schrifttypen und Archivierungsstrukturen von Adressen von damals mit heutigen lay-outs zu vergleichen und um
persönliche Erinnerungen und Bezüge, ein Auffinden von Namen und Branchen, ein Suchen nach Bauwerken oder Verkehrsverbindungen zu teilen.
Ein interessierter Wienbezug zu der Zeit vor 1938 sollte gegeben sein.
Danach wird gemeinsam ein Parcours gewählt mit bewusster Wahl von Verkehrsmitteln um an einen gewünschten Ort oder eine Route der Erinnerung zu gelangen, eine gemeinsame Linie wird gezeichnet, eine Wiener Linie von heute zu damals. Ein gelebter Stadtplan der Bezüge wird an einem kurzen Nachmittag gemeinsam entworfen und in einem gemeinsam ausgewählten Format kurz dokumentiert (Foto, Statement, Interview, Bericht, hinterlassenes Symbol).
Erinnern, entdecken, lernen, lassen.
Idee und Konzept: Georg Blaschke
körper. bauen. stellen. / body. building. places. – solo
anhand einzelner körperbaustellen analysiere, ritualisiere und kartografiere ich in dieser solo-performance muster von in den körper eingeschriebenen urbanen erinnerungen und entwickle daraus eine persönliche mundart dieses körpers, der sich mir gleichermaßen als rohmaterial und konstrukteur anbietet. so exponiert sich dieser körper ständig wechselnden bauarbeiten an sich selbst und am raum an sich. er passiert, überquert die schnittstellen zwischen ihm, seiner haut und dem raum, wechselt die territorien der baustellen und erfährt dadurch eine permanente neuverarbeitung. mischverhältnisse, untergründe und haltbarkeitsgarantien werden getestet, veröffentlicht, verworfen.
am ende stellt sich die frage welcher rohstoff, welcher body-schutt denn dazu dienen könnten dem gegebenen raum tatsächlich ein stück neubau hinzuzufügen.
„each something is a celebration of the nothing that supports it.“ (john cage)
diese soloarbeit ist technisch - nicht konzeptuell - auch von vielen erfahrungen als performer, tänzer und trainer motiviert, stellt gleichsam ein resümee verschiedener körperqualitäten in ansätzen dar, die einer kontinuierlichen inneren und äusseren neubewertung unterworfen sind. diese qualitäten stoßen an konkrete räumliche und stoffliche grenzen und die grenze, die die schwerkraft setzt, erfahren aber durch diese limitierungen existentielle lust zum umbau.
ich widme diese arbeit deshalb auch allen tänzerinnen und tänzern mit welchen ich schon die freude hatte zu arbeiten.
„no-continuity simply means accepting that continuity that happens.“ (john cage)
Besetzung:
Konzept, Performance: Georg Blaschke
Licht-Design: Peter Thalhamer
Musik: Johann Sebastian Bach
Dauer: 25 Minuten
Georg und Robert - Können Männer tanzen?
Georg kommt vom Fußball.
Robert kommt von Russisch.
Georg hat Mathematik studiert.
Robert hat Dramaturgie studiert.
Robert ist fast neu in Wien und kommt aus Holland, wo die Frauen den zeitgenössischen Tanz erfunden haben.
Georg liebt die Frauen.
Und beide lieben den Tanz.
Ein Dialog über Weiblichkeit, Angst, Stille und Integration und andere Themen worüber wir stolpern, wenn wir arbeiten.
Idee und Performance: Georg Blaschke und Robert Steijn
Choreos – A Dance Odyssey
Gastchoreografie für das item-Tanztheater Winterthur
Ausgehend von Textpassagen der griechischen Tragödie und von Bildmaterial zu Fundstücken und Darstellungen des antiken Theaters entstehen Erinnerungen an mythologische und archäologische Räume, die die drei Tänzerinnen zu einer „Irrfahrt“ gestischer und körperlicher Rekonstruktionen treiben. Mittels einer zeitgenössischen Tanzsprache werden die Möglichkeiten einer Übertragung choreografischer und dramatischer Urmuster in heutige Körper- und Raumkonstellationen erforscht und in eine Szenerie eingebettet, die sich selbst reflektiert, auflöst und wieder herstellt. Ergänzt durch den Bühnenraum und die eindringliche visuelle Gestaltung entsteht so ein choreografisches Spannungsfeld zwischen mythologischen Resten und post-digitaler Leere.
Besetzung:
Choreografische Leitung: Georg Blaschke
Choreografie & Tanz: Tanja Büchel, Ingrid Fäh, Christina Thoma
Komposition & Sound Design: Flo Steinberger, Richard Valentin Strauß
Kostüme: Nina Haas, Esther Kunz
Bühnebaus: Markus Nef, Walter Bosshart
Lichttechnik: Manual Bosshard
Grafik und Fotos: Anita Bättig
12manandawomanwaltzes
In diesem 12-songs-Stück werden die Themen Distanz, Nähe, Annähern, Sich-Umkreisen, Kreiseln, Sich-Aufgeben, Sich-Auflösen als permanente Transformation in einem Frau-Mann-Duo (Sabile Rasiti und Georg Blaschke) gezeigt. Als narrative Grundlage dienen Sequenzen aus den früheren Filmen von Jean-Luc Godard, speziell dem wunderbaren, zeitlos aktuellen Film „Pierrot le fou“ (1965), in welchem uns Godard die Geschichte "of the last romantic couple" erzählt. Diese Szenen haben wir verinnerlicht, uns eingefleischt, um sie als mögliche Geometrie der Liebe zum Ausgangspunkt zu wählen, zudem wir in ständigem Rollenspiel, nein, eher: Rollentranszendenz, zurückkehren werden, in einer uns eigenen Tanz- und Körpersprache.
In 12 Architekturen von Raum, Bild und Körper durchleben und durchtanzen wir verschiedene Ansätze einer Formalisierung desselben Ausschnitts zum ewigen Thema (Mann-Frau, Liebe auf der Flucht oder Liebe ohne Ausweg oder Liebe als Freiheit) und finden unsere Musikalität nahe eines inneren oder äußeren 3er-Taktes.
In einer Welt des Mobilitätswahns, wo lebbare Beziehungen oft auf digitale Kontaktaufnahmen reduziert werden, bieten wir unsere Körper und unsere Emotionen als (immerhin noch) Projektionsflächen an. Was ist lebbar, welche Freiheit existiert zu zweit, wie lange ist der Weg zur ersten Berührung? Und: in welche Form, in welche Haut sind wir gepresst?
Musikalisch nähern wir uns subtil und gelassen, über ein Thema von Chopin, unserem Film-Soundtrack, der auch den Godardschen Umgang mit dem Einsatz von Musik im Film reflektiert und die Frage nach möglichen Romantizismen in einer zeitgenössischen Tanzsprache aufwirft.
Die bildhafte und szenische Gestaltung der Arbeit nähert sich auch filmästhetischen Fragen, wie Schnitt, Tempo, Überlagerung von Bild und Bewegung an und befragt Möglichkeiten einer Realisierung im „performing“ und der Montage auf der Bühne.
Besetzung:
Idee, Konzept: Georg Blaschke
Choreografie, Tanz: Sabile Rasiti, Georg Blaschke
Lichtgestaltung: Peter Thalhamer
Musik: Frédéric Chopin, Françoise Hardy, Nat King Cole, Charles Aznavour
Musikbearbeitung: Richard Valentin Strauß
Dramaturgische Begleitung: Claudia Heu
Assistenz & Ton: Verena Lehner
Dauer: 40 Minuten
Mycenae: A Dance Poem.
Ausgangspunkt dieser Arbeit bildete eine prozesshafte Annäherung an die griechische Mythologie, im besonderen an den Sagenkreis um das Königreich Mykene und dessen Verwicklungen in den Trojanischen Krieg im 13. Jh. v. Chr.
Dabei wurden u.a. folgende Fragen gestellt:
Welche archetypischen Muster lassen sich in ein ritualisiertes Tanzgeschehen übertragen?
Welche Möglichkeiten zur Verdichtung des Dramas hat der Tanz?
Durch die fundierten Kenntnisse des Ausgrabungsortes von Georg Blaschke konnte eine systemische Rekonstruktion sowohl des archäologischen Orts als auch der dramatischen Beziehungen der Charaktere – in diesem Fall von Kassandra und Klytämnestra - geschaffen werden. Diese dienten als Basis für Improvisationen, choreografische Strukturen und räumliche Konstellationen von Bühnenobjekten.
Szenenfolge:
1. Prolog
2. Der Apfel der Hesperiden
3. Hinter dem Tor
4. Kopfgeburt
Besetzung:
Künstlerische und choreografische Leitung: Georg Blaschke
Choreografie & Tanz: Julia Mach, Sabile Rasiti
Komposition & Sound Design, DVD: Flo Steinberger
Licht-Design: Peter Thalhamer
Bühne: Georg Blaschke
Training, Energiearbeit: Georg Blaschke, Richard Valentin Strauß
Supervision: Christl Lieben
Dauer: 30 Minuten
SiriusSteps
Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildete das erfolgreiche Solo aus der Produktion E-N-D von Pilottanzt aus dem Jahr 2000, das von Georg Blaschke in zahlreichen Auftritten im In- und Ausland gezeigt wurde. Ursprünglich als Teil eines getanzten „Triptychons“ konzipiert, war es von archetypischen Mustern und Naturerfahrungen inspiriert und wurde zu den treibenden beats eines elektronischen Soundsystems entwickelt.
In der vertieften Auseinandersetzung mit dem Material entstanden schließlich neue Visionen zur Transformation. Mythologische Traumarbeit und rituelle Prozesse standen im Mittelpunkt der neuen Research, die gleichzeitig von der musikalischen Neuinterpretation getragen wird. Begrenzte Raumkonstellationen und präzise Lichtgestaltung vedichten den Tanz zu einem suggestiven trip.
Besetzung:
Idee, Choreografie: Georg Blaschke, Roderich Madl
Tanz: Georg Blaschke
Komposition/Electronics: Richard Valentin Strauß/ILIEL-sonic research
Lichtgestaltung: Peter Thalhammer
Dauer: 30 Minuten
Imaginary Landscape N° 5
John Cage-Projekt mit StudentInnen des S.E.A.D., 2. Jahrgang
Grundlage des choreografischen Projekts bildete die Komposition Imaginary Landscape N°5 von John Cage aus dem Jahr 1952. Ursprünglich für 42 beliebige Schallplatten oder Tonbänder mit Jazzmusik und 8 Tonträger geschrieben basiert die dreiminütige Komposition auf Zufallsoperationen, abgeleitet aus dem Buch der Wandlungen (I Ging) und einer fraktalartigen rhythmischen Struktur aus 5 Teilen und 5 Unterteilungen mit jeweils gleichen Verhältnissen der Zeitangaben.
StudentInnen der Universität Salzburg haben mehrere elektro-akustische Interpretationen der Partitur entwickelt. Ziel des choreografischen Projekts war es einerseits einige dieser Beispiele tänzerisch umzusetzen, andererseits die Partitur auch direkt in eine Collage aus Tanz, Stimme, Geräusch und Stille zu übersetzen. So entstanden 7 Kurzstücke, die im Rahmen der ASPEKTE Salzburg 2003 (Festival für Neue Musik) aufgeführt wurden.
The Zone
Gastchoreografie für x.IDA/Linz
Sieben Forscher auf der Suche nach dem letzten Relikt ihrer Wissenschaft erreichen die ZONE, ein Gelände unvorhersehbarer innerer und äußerer Umstände.
Auf dem Weg zu ihrem Forschungsgegenstand ist die Crew Einflüssen ausgesetzt, die äußerstes physisches und physikalisches Wissen erforden. Abgesehen von der psychischen Zerreißprobe, die solch ein Unterfangen auf fremdem fernen Terrain darstellt.
Die choreographische Forschung bewegte sich an der Grenze von physical theatre und contemporary dance und konzentrierte sich besonders auf rituelle Prozesse innerhalb und außerhalb der Gruppe.
Das Projekt kam auf Initiative von Esther Linley, der künstlerischen Leiterin von x.IDA, zustande und wurde in einem Zeitraum von fünf Wochen im Dezember 2002 in Linz erarbeitet. Die Company besteht aus jungen TänzerInnen, die in der Zusammenarbeit mit ChoreografInnen unterschiedlichster Stilrichtungen erste professionelle Erfahrungen sammeln können, sowohl im Bereich der creative works als auch der Bühnenpraxis.
space-dervish
Dieses Projekt stellte sich zur Aufgabe faszinierende Ergebnisse und Schlußfolgerungen der theoretischen Physik und Kosmologie in der vierdimensionalen Raumzeit einer Bühnensituation darzustellen. Erzählt wird die Geschichte von zwei Raumfahrern R1 (Georg Blaschke) und R2 (Sascha Krausneker), die sich in einem Orbit um einen zu einem schwarzen Loch kollabierenden Stern befinden und in den Ereignishorizont, jene Grenze der Raumzeit, aus der es kein Entrinnen mehr gibt, eintreten um mit dem gesamten Bühnenuniversum schließlich den Entropietod zu sterben.
Begleitet werden sie vom Bordcomputer MUTTER (Irene Coticchio), der informativen Allmacht, deren wissenschaftlicher Vortrag über schwarze Löcher und die Wellenfunktion des Universums in der Logik der Schlußfolgerungen von kleinsten subatomaren Störungen der Stimmbänder und digital evozierten Fehlschaltungen verwirrt wird und außer Kontrolle gerät.
Sound, Stimme und Körper verschmelzen zu einem space-ritual an der Grenze der Raumzeit.
Die Dramaturgie folgte diesmal bewusst einer linearen Steigerung, bedingt durch die rituelle Dynamik der gleichorientierten Drehungen der Darsteller.
Besetzung:
Künstlerische Leitung: Georg Blaschke
Schauspiel, Gesang, Voice-Samples: Irene Coticchio
Choreografie und Tanz: Georg Blaschke, Sascha Krausneker
Komposition, Sounds, Musikregie: Richard Valentin Strauß
Licht: Andrea Korosec
Kostüme: Caterina Czepek
Bühne: Georg Blaschke
Wissenschaftliche Beratung: Verena Kain
Kuratorin der Ausstellung: Monika Fischer
Dauer: 55 Minuten
Ein Bild und sein Schatten – „Kronos und Freud, zwei Zeugen für die Lösung“
(Auftragsarbeit für den Steirischen Herbst 2001):
In diesem „Soloballett“ zeichnete Georg Blaschke für die Choreografie und den Tanz verantwortlich.
Das Konzept stammt von dem Grazer Künstler Jörg Schlick, der das Stück bereits vor zwanzig Jahren entwickelte und in New York mit Erfolg aufführte. Serielle Fotografie, Projektion und elektronisch verfremdete Musik verschmelzen mit dem futuristisch anmutenden Kostüm von Lisa D. zu einer ästhetisch außergewöhnlichen und schrägen Performance. Die Choreografie, ebenso wie die Musik in vier Sätze/Temperamente gegliedert, integrierte die formalen, vom weißen Kostüm bedingten Bewegungsmöglichkeiten mit den vier Projektionen auf den tanzenden Körper.
VIECHER.
Einerseits gab die Auseinandersetzung mit der Archetypenlehre C. G. Jungs und den therapeutischen Vorschlägen aus dem Buch Einer flog über das Kuckucksnest von Ken Kesey Impulse zu dieser Arbeit. Andererseits drängte die bei KAFKA kreierte Bewegungssprache danach weiterentwickelt zu werden. Das führte zu peniblen Charakterstudien im Alltag, die Grenzfälle von psychotischen bis zu animalischen Verhaltensmustern ausloteten. In der Kreation entstanden vier Charaktere mit individuellen „kleinen Problemen“, die in einem Käfig (=Gerüst) von einer Stimmdompteurin gesunddressiert wurden, - eventuell aber auch nicht. Das imaginäre Objekt, der Schlauch als Fortsetzung von Körperorganen und Besuche im Tiergarten provozierten weitere wesentliche Gesten und Choreografien. Gesampelte bestialische Sounds von Tieren und furiose Mixes über Kraftwerk- und Pink Floyd-Motiven lieferten den musikalischen Teppich des Tanzes.
Besetzung:
Idee und künstlerische Leitung: Georg Blaschke
Regie und Dramaturgie: Christophe Dumalin
Choreografie und Performance: Irene Coticchio, Giordana Pascucci, Lucia Riccelli, Georg Blaschke, Sascha Krausneker
Komposition, Sounds, Musikregie: Richard Valentin Strauß
Licht: Andrea Korosec
Bühne: Georg Blaschke
Dauer: 60 Minuten
KAFKA - Die Verwandlung. Getanzt.
Aufgabe war es, so konkret wie möglich die erzählerische Vorgabe ohne Einbindung erklärender Textstellen in eine tanztheatralische Sprache umzusetzen. Diese entwickelte sich dann unter Einbezug von Techniken des Corporal Mime in eine expressive Tanzgroteske.
Ein ausgeklügeltes System von Aktionen mit Gegenständen, Mobiliar und Nahrungsmitteln wurde in die gestisch-tänzerische Choreografie integriert und jedes Mal speziell an den jeweiligen Spielort angepaßt. Die einzelnen Charaktere wurden präzise entwickelt und nicht zuletzt gelang sicherlich durch die Integration einer totalen Ästhetik (Maske, Kostüm, Licht, Farbe, Objektgestaltung, Musikbearbeitung, Fleischlichkeit) eine glaubhafte Annäherung an die vielschichtige surreale Welt Kafkas.
Besetzung:
Idee und künstlerische Leitung: Georg Blaschke
Choreografie und Performance: Irene Coticchio, Giordana Pascucci, Lucia Riccelli, Georg Blaschke, Christophe Dumalin
Musikregie: Richard Valentin Strauß
Licht: Andrea Korosec
Bühne: Georg Blaschke
Dauer: 60 Minuten
Schlafen ohne Ort / Dormire senza Luogo
Ausgehend von der eindringlichen Lyrik des Fernando Pessoa wurde ein szenischer Bogen einem Tagesablauf gleich um vier liebenswerte kleinkarierte Charaktere entwickelt. Größere und kleinere gebrauchte bürokratische Objekte dienten als Bausteine für Schlafzimmer-, Büro- und Straßendekor und als heimliche Unterlagen für kleine Perversitäten. - Eine rein tanztheatralische Arbeit ohne Textstellen am Rand zur Groteske.
Besetzung:
Idee und künstlerische Leitung: Georg Blaschke
Dramaturgische Begleitung: Daria Deflorian
Choreografie und Performance: Irene Coticchio, Heide Kinzelhofer, Lucia Riccelli, Georg Blaschke, Christophe Dumalin, Max Steiner
Licht: Andrea Korosec
Bühne: Georg Blaschke
Dauer: 50 Minuten
PASOLINI-Projekte
Insgesamt wurden drei Kurzstücke, Kleine Aktionsgedichte, in unterschiedlichen Besetzungen anläßlich des 25. Todestages von Pier Paolo Pasolini entwickelt. Zwei davon wurden mit der Theatercompany Dark Camera in Rom an Originalschauplätzen von Pasolinifilmen (Pasolini al Mandrione) gezeigt, eins in Wien.
Grundlagen der szenischen Collagen bildeten frühe und späte Texte (Amado Mio, Petrolio) und typische römische Peripherieszenarien aus frühen Filmen (Mamma Roma, Accatone). Der expressive Stil verband Schauspiel-, Gesang- und Tanztheaterelemente mit klarer Zeichnung der Charaktere und Einbindung realer Gegenstände. Zum Teil wuden die Aktionsgedichte an Originaldrehplätzen in Rom gezeigt.