Giotto's Corridor

BIld © Jan Machacek
Foto © Christine Miess
Foto © Christine Miess

Giotto's Corridor

Giotto’s Corridor

Dance Performance and Video Installation

Ausgangspunkt des Projekts ist die Auseinandersetzung mit den Ursprüngen perspektivischer Darstellungen in der Malerei anhand des Werks des legendären italienischen Malers Giotto. Wie lassen sich damalige Methoden tiefenillusionistische Wirkungen zu erzeugen auf eine zeitgenössische Kunstproduktion an der Schnittstelle von Choreografie und videomedialer Intervention übertragen?

Als entscheidender Wegbereiter der italienischen Renaissance gilt der aus der Toskana stammende Maler und Architekt Giotto di Bondone (ca.1276-1337), auch bekannt als Giotto. Während für die herkömmliche Malerei zweidimensionale Figuren charakteristisch waren, die vor einem mit Symbolen dekorierten flächigen Hintergrund angeordnet waren, stellte Giotto plastisch modellierte Individuen in einen perspektivischen Raum, die zueinander Beziehungen unterhalten. Er gestaltete auch die ersten ernsthaften Versuche die perspektivische Verkürzung in Landschaften und Gebäudedarstellungen zu nutzen. Die Leistung Giottos ist in seiner Zeit einzigartig; erst zwei Generationen später konnten Künstler der Frührenaissance an diese Entwicklung anknüpfen.

Die verschiedenen Ansätze zur Entwicklung der Perspektive von künstlerischer Seite her wurden von professionellen Mathematikern übernommen und erst im Lauf der Zeit zu einer axiomatisch festlegbaren Geometrie entwickelt. Ihr Ursprung waren aber künstlerische Problemstellungen! Entscheidend prägte diese Phase der Kunst auch das politische und wirtschaftliche Weltbild des sogenannten Westens. Es wurden die Parameter eines zukünftigen „Sehens, Darstellens und Fabrizierens“ gelegt, die heute als selbstverständlich von der ersten Schulklasse an als „Bildungsstandards“ vermittelt werden.

Die künstlerischen Vorarbeiten Giottos zur Entwicklung der Linearperspektive in der Malerei suggerieren eine bizarre Un-Logik in der Konstruktion divergenter und konvergenter Projektionslinien hinsichtlich der Verzerrungen räumlicher Strukturen. Das analytische Wissen um die Gesetze der projektiven Geometrie war noch nicht ausgefeilt (provisorische Perspektive).

Daraus ergibt sich das Leitthema dieser Arbeit: Welche Wirkkraft übt ein visueller Sog in verzerrte Tiefen auf die Körper, auf Berührungen und auf Aktionen mit stofflichen Materialien aus? – Oder setzt der im entleerten Raum ausgesetzte Körper den Flow an Bildern und Täuschungen erst in Gang? Wie ordnet perspektivisches Sehen den Körper in Bewegung ein: physisch, emotional, mit Deutungen aufladend?
In engem Dialog mit den individuellen somatischen Qualitäten der Performer*innen entwickelt sich eine Dramaturgie von bewegtem Körper und Körperabbild innerhalb eines instabilen Raumgefüges.

In Giotto’s Corridor wurden in der Zusammenarbeit von Georg Blaschke mit dem Medienkünstler Jan Machacek vollkommen neuartige Gestaltungsprinzpien an der Schnittstelle von Körperperformance und videomedialer Intervention entwickelt.

Besetzung:
Künstlerische Leitung & Choreografie:
Georg Blaschke
Medienkunst: Jan Machacek
Choreografische Gestaltung & Performance: Martina De Dominicis, Eva-Maria Schaller,
Evandro Pedroni 
Ausstattung: Hanna Hollmann
Lichtgestaltung: Bartek Kubiak
Musikbearbeitung: Christian Schröder
Musik von: Christian Schröder, Jozef Van Wissem, John Zorn
Videoprogrammierung: Oliver Stotz
Produktion / M.A.P. Vienna: Raffaela Gras

Eine Koproduktion von M.A.P. Vienna –
Movement Art Programmes und
brut Koproduktionshaus
Mit freundlicher Unterstützung von:
Kulturabteilung der Stadt Wien
Bundesministerium – Kunst und Kultur